OTC-Medikamente in Deutschland

Nicht verschreibungspflichtige oder rezeptfreie Medikamente werden zuweilen auch OTC-Medikamente genannt. Dieser Abkürzung kommt aus dem Englischen  und stammt von dem Begriff over-the-counter, auf deutsch bedeutet dies über-die-Ladentheke. Laut Statistik werden in Deutschland Jahr für Jahr 600 Millionen rezeptfreie Arzneimittel verkauft, ein Drittel davon in gewöhnlichen Apotheken, ein geringerer Anteil wurde über Online-Apotheken abgegeben.

Viele Medikamente müssen in Deutschland vom Arzt verschrieben werden, dazu gehören zum Beispiel Antibiotika wie Penizillin. Der Patient besucht also zunächst einen Arzt, der ein Rezept ausstellt, mit welchem der Patient das verschriebene Medikament in der Apotheke erhalten kann. Für die sogenannten OTC-Medikamente benötigt man hingegen weder einen vorherigen Arztbesuch noch ein Rezept. Sie spielen deshalb bei der Selbstmedikation eine große Rolle. Diese Arzneimittel und Präparate können sowohl apothekenpflichtig  oder aber auch frei verkäuflich in anderen Geschäften erhältlich sein. So werden Vitaminpräparate, Kräutermedizin und Arzneitees häufig auch in Drogerien oder sogenannten Reformhäusern verkauft. Diese Geschäfte dürfen allerdings keine rezeptpflichtigen Medikamente anbieten – dies ist in Deutschland alleine den Apotheken vorbehalten.

Gerade für Volkskrankheiten wie Erkältungen oder Allergien gibt es eine Vielzahl von rezeptfreien Arzneimitteln zu kaufen, aber auch viele Schmerztabletten wie Aspirin und Paracetamol sind in Deutschland frei verkäuflich.

Andere Krankheiten, welche häufig mit rezeptfreien Medikamenten behandelt werden, sind Durchfall, Verstopfung, Fußpilz und Insektenstiche, um nur die häufigsten zu nennen.

Allerdings müssen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland seit 2004 keine Kosten mehr für Arzneimittel übernehmen, die nicht von einem Arzt verschrieben wurden. Rezeptfreie Medikamente muß man also grundsätzlich selbst bezahlen. Allerdings können auch rezeptfreie Medikamente in Ausnahmefällen auch als Rezept verschrieben werden. Dies gibt es zum Beispiel dann, wenn der Patient jünger als 12 Jahre ist. OTC-Medikamente können ebenfalls auf Rezept vom Arzt verordnet werden, wenn sie  als Therapiestandard bei der Therapie von schweren Behandlungen gelten. Viele private Krankenversicherungen übernehmen ebenfalls die Kostenerstattung von rezeptfreien Medikamenten, wenn die entsprechenden Belege vorgelegt werden.

In Deutschland ist das Bundesgesundheitsministerium dafür zuständig zu bestimmen, ob ein bestimmtes Präparat nur auf Rezept oder rezeptfrei erhältlich ist. Beim Kauf rezeptfreier Medikamente ist es allerdings von großer Bedeutung, die Beratungsleistungen des Apothekers in Anspruch zu nehmen – dies gilt insbesondere wenn keine Diagnose durch einen Arzt vorliegt. Ein Apotheker kann die Symptome des Patienten analysieren und mögliche Medikamente vorschlagen. Zudem kann das Apothekenpersonal auch im Hinblick auf Neben- oder Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Präparaten beraten.